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Aktuelles

Stacheldraht 1

Niemals die Menschen in den Lagern vergessen! Europa stirbt an den Grenzen.

Heike Heinen, Mitglied des Förderkreises Asyl Würselen e.V. ,ist in den letzten beiden Jahren regelmäßig nach Lesbos in das Lager Camp Moria gefahren, um dort unentgeltlich als Zahnärztin für die Organisation „Health Point Foundation“ tätig zu sein.
Im Juli 19 wird sie mit Team das fünfte Mal vor Ort sein und wieder von ihrem Aufenthalt dort berichten. Sie schreibt:

„Das Versiegen der Flüchtlingswelle hier in Deutschland und in unseren Nachbarländern bedeutet keineswegs, dass Europa nun erfolgreich die Lage „kontrolliert“, situationsangepasst die „richtigen“ Maßnahmen eingeleitet hat und nun alles „in Ordnung“ sei.
Denn das Sterben geht brutal und unvermindert weiter, entweder in den unerbittlichen Kriegen in den Herkunftsländern, zu denen sich die Folgen der Klimakatastrophen gesellen, in den unvorstellbar grausamen Folterlagern auf dem afrikanischen Kontinent, durch die Folgen der barbarischen Abschottungspolitik auf dem Mittelmeer, der Balkanroute oder in den Hotspots der Ägäis. Die Aktionen der bundesweiten agierenden „Seebrücke“ zeigen ebenfalls eindrucksvoll die Empörung weiter Kreise der Bevölkerung gegen diese Menschenrechtsverletzungen. Unvorstellbar, dass die deutsche Regierung die aufgegriffenen Flüchtlinge in die nordafrikanischen Folterlager ohne jede Prüfung des Asylanspruchs zurückbringen lässt!

Wie wird versucht, die zahnärztliche Versorgung im ständig überfüllten Lager in Moria zu organisieren, das als das schlimmste Lager in Griechenland („worse than hell“)gilt?
Im Aufnahme- und Registrierungszentrum auf der griechischen Insel Lesbos sind Tausende von Asylbewerbern – Familien, Kinder und alleinstehende Erwachsene – Monate, ja sogar jahrelang gezwungen, in überfüllten und ärmlichen Verhältnissen zu leben, während sie auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warten, 5000-8000 Menschen hausen dort in einem Lager , das für nicht mehr als 3000 Personen vorgesehen ist. Zur Zeit landen durchschnittlich pro Tag über 130 Menschen auf den Inseln der Ägäis, davon 70-80 Migranten auf Lesbos, mehr als ein Drittel davon sind Kinder (Stand Juni 2019)

Unter der Leitung der gemeinnützigen “Graswurzel”- Organisation “HealthPointFoundation” werden unter stark eingeschränkten Arbeitsbedingungen in einem Container mitten im Lager zahnärztliche Notfalleingriffe durchgeführt. Das Team setzt sich aus internationalen Zahnärzten und Helfern zusammen, die im Rahmen eines freiwillen Einsatzes wochenweise vor Ort sind. Dabei werden sie von einer Gruppe von lokalen Koordinatoren und weltweit verteilten Organisatoren unterstützt, betreut und mit Material versorgt .Häufig ist es aufgrund des Mangels an Zahnärzten nicht möglich , die Station durchgehend zu besetzen, so das über Wochen nicht einmal die Notversorgung gewährleistet ist.
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Health Point Foundation ist dabei bestrebt, dieses Projekt so sicher und effektiv wie möglich weiterzuführen, um Erwachsenen und Kindern mit starken Zahnschmerzen sowie Zahn- und Mundinfektionen zu helfen. Zahnbehandlung ist kein Luxus, sondern eine existentielle Grundvoraussetzung für ein menschenwürdiges Überleben unter diesen Voraussetzungen..

Das zahnärztliche Team in Camp Moria bezahlt alle Kosten selbst (Flug, Unterkunft und Verpflegung)
Zusätzlich erhebt die Organisation zur Deckung der Materialkosten und der Verwaltung einen Beitrag von 30.- Euro pro Tag und pro freiwilligem Mitarbeiter in der Zahnstation.

Spendenaufruf

Im Verein wie auch bei HPF kam die Überlegung auf, diesen Kostenbeitrag (600.- Euro für 4 Volunteers in der Einsatzwoche )zum Anlass für eine Spendenaktion zu nehmen. Ein Spendenaufruf ist eine gute Gelegenheit, die verzweifelte, für viele jetzt auch hoffnungslose Situation in Moria erneut in die Öffentlichkeit zu rücken. Daher ergeht die dringende Bitte, mit einem Beitrag den Einsatz des Aachener Teams und damit die Arbeit der Organisation zu unterstützen. Als Spendenkonto wird das Vereinskonto genannt, mit dem Überschuss wird die dringend benötigte lokale Flüchtlingshilfe des Vereins in Würselen und Umgebung unterstützt.

In der Unterkunft für die Helfer, NGO-Mitglieder und Zahnärzte, die jetzt seit neuestem preiswert von HPF auf Lesbos gestellt wird, ergeben sich erfahrungsgemäß wertvolle Unterstützungsmöglichkeiten , gute Gespräche und wichtige Kontakte zu anderen Helfern aus verschiedenen NGO, den vielen solidarischen Bewohnern der Insel und besonders den Geflüchteten selbst.
Bei den bisherigen 4 Einsätzen seit Juli 2018 war Heike Heinen entweder allein unterwegs oder wurde von geflüchteten Menschen aus Aachen, ihrem Mann und zahnärztlichem Fachpersonal begleitet. Mohammad, Bashkim , Delo und Sudat waren bereits im Team dabei . Jetzt, Ende Juli 2019, fliegt wieder ein Aachener Team nach Lesbos: Axel und Heike Heinen , Sohn Max, ebenfalls Zahnarzt, und Nadeem, Zahnmediziner aus Syrien, machen sich bald auf den Weg. Diesmal ist auch Günther aus Aachen dabei und hilft als Fahrer und Koch für die Crew. Er erkundet außerdem zukünftige Einsatzmöglichkeiten auf der Insel für sich und andere interessierte Aachener Nicht- Zahnärzte. Ohne die Unterstützung der Familie und engagierter Helfer hier in Aachen und auf Lesbos wären solche Aktivitäten sicher kaum möglich, der Dank gilt auch den vielen engagierten jungen Menschen von Healthpoint Foundation, allen im Team und den vielen Unterstützern draußen in der Welt und auf der Insel!!

Wir werden wieder aus Lesbos berichten!

Konto des Förderkreis Asyl Würselen e.V.:
IBAN: DE59 3905 0000 1072 4193 00
Verwendungszweck: Zahnarzt Lesbos

Autor: Heike Heinen