Die Seebrücke Aachen und das Bürger*innenasyl führten am Sonntag, dem 12.12.2021, eine Solidaritätskundgebung für die geflüchteten Menschen an der polnisch-belarussischen Grenze durch und zündeten zahlreiche grüne Lichter als Zeichen ihrer Solidarität auf den Treppen zwischen den Säulen des Elisenbrunnens an. Seit Wochen harren mehrere tausend Schutz suchende Menschen unter freiem Himmel bei Minustemperaturen aus, eingesperrt in einer Todeszone im Niemandsland zwischen Polen und Belarus. Sie sind gefangen zwischen 30.000 bewaffneten polnischen Soldaten vor  ihnen, die Tränengas einsetzen und sie mit Pushbacks von der Grenze zurückdrängen, und hinter ihnen weißrussische Beamte, die sie in Richtung Polen drängen. Sie können weder zurück nach Belarus noch über die Grenze nach Polen. Niemand darf zu den notleidenden Menschen, weder Ärzte noch Hilfsorganisationen, die ihnen Nahrung, Unterkunft und Schutz bieten könnten. Sie haben kein Dach über dem Kopf, keine Lebensmittel, kein frisches Wasser und keine medizinische Versorgung. Besonders die Kinder leiden unter der Kälte und dem Hunger. Einige von ihnen sind bereits gestorben.

Diese humanitäre Katastrophe spitzt sich immer weiter zu vor den Augen der Weltöffentlichkeit, aber die Regierungen der EU klagen lediglich Lukaschenko, den belarussischen Präsidenten, der Instrumentalisierung unschuldiger Menschen zum Zwecke der Erpressung der EU an, statt den hilflosen Opfern dieser politischen Auseinandersetzung zu helfen, indem sie in die EU aufgenommen werden. „Wir sind nicht erpressbar!“ lautet das einstimmige Credo der EU, und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärt unmissverständlich: „Wir brauchen Zäune und wir brauchen auch Mauern … Niemand hat Interesse an Mauern, aber jetzt geht es darum, dass die Europäische Union ihre Wahrhaftigkeit beweist.“ Kein Wort über die betroffenen Menschen, die in Not und Lebensgefahr allein gelassen werden, kein Wort über die Verletzung der Menschenrechte, für die die EU so gerne verbal eintritt. Es geht allein um Macht und Stärke, da werden Tote an der Außengrenze billigend in Kauf genommen. Und der Ministerpräsident Kretschmer geht in seinem Zynismus noch weiter: „Die Bilder  notleidender Menschen an der Grenze muss die Gesellschaft aushalten. Warschau handelt richtig, daher dürfen wir Polen nicht in den Rücken fallen.“ Die politische Führung verlangt von allen eine treue Gefolgschaft und bloß kein Mitgefühl mit hilflosen Menschen, die unmittelbar Hilfe und Unterstützung brauchen.

Deshalb haben Bewohner*innen der polnischen Grenzgebiete mit grünen Lichter in ihren Fenstern den geflüchteten Menschen signalisiert, dass sie bei ihnen anklopfen können und Hilfe erhalten. Diese grünen Lichter waren am 12.12.2021, am 3. Advent in ganz Deutschland ein deutliches Zeichen der Solidarität.

Dieselbe Offenheit und Willkommenshaltung erwarten die Seebrücke Aachen und das Bürger*innenasyl auch von der Stadt Aachen, zumal sie sich zu dem Status eines „Sicheren Hafens“ bekannt hat. Deshalb forderten sie die Oberbürgermeisterin Sybille Keupen und die Ratsfraktionen mit einem Schreiben vom 3.12. dazu auf, aus Solidarität mit den Geflüchteten am 12.12. das Aachener Rathaus grün anzustrahlen, um die Bereitschaft der Stadt Aachen zu verdeutlichen, die hilf- und schutzlosen Menschen an der polnischen Grenze aufzunehmen.

Frau Keupen erklärte sich sofort bereit, die Aktion durch zahlreiche Social Media-Beiträge und eine Video-Botschaft auf ihrem Instagram-Kanal nach Kräften zu unterstützen. Eine Beleuchtung der Vorderfront des Rathauses in Grün sei jedoch wegen der Helligkeit der Weihnachtsmarktbuden nicht wirkungsvoll, deshalb werde man die Fenster der Rückseite des Rathauses zum Katschhof hin grün erstrahlen lassen. Wie ernst ihr diese Botschaft gemeint war, zeigte sie ebenfalls durch ihre persönliche Anwesenheit auf der Solidaritätskundgebung am 12.12. am Elisenbrunnen. Auch die meisten Ratsfraktionen sagten ihre uneingeschränkte Unterstützung der Lichter-Aktion zu.

Auf der Kundgebung wurde mit Nachdruck die sofortige solidarische Aufnahme der an der polnischen Grenze um Schutz suchenden Menschen in die EU gefordert. Die neue  Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass die betroffenen Menschen Zugang zu einem fairen Asylverfahren in der EU erhalten. Von der Stadt Aachen als Sicherer Hafen wurde noch einmal die Bekräftigung ihrer Bereitschaft zur zusätzlichen Aufnahme dieser Menschen gefordert.