Ein roter, nicht komplett geschlossener Kreis, in der Mitte die Worte Förderkreis Asyl Würselen e.V.Liebe Mitglieder, 

Erst jetzt können wir nach langer Zeit uns wieder präsent zusammenfinden. Noch ist die Pandemie nicht vorbei und Vorsicht ist angemessen. Die Vorsicht und viele Regelbeschränkungen haben uns jedoch nicht grundsätzlich von unserer Arbeit abgehalten.  

Wir hoffen für alle Mitglieder, Freund*innen und Unterstützer*innen des Förderkreises Asyl Würselen, dass sie die belastende Zeit gesundheitlich gut überstanden haben.  

Wir möchten einen großen Dank an alle diejenigen aussprechen, die in den letzten Monaten dennoch die Begleitung der geflüchteten Menschen fortgesetzt haben und ihnen in ihren Alltagsproblemen beiseite standen. 

An dieser Stelle möchten wir die Trauer um ein Mitglied unseres Vereines aussprechen. Hans Maassen, der jahrelang mit großem Einsatz und Herz vielen geflüchteten Menschen zur Seite stand, ist im letzten Jahr gestorben.  

 

Unsere Arbeit in der Stadt Würselen und der StädteRegion 

Wir können stolz zurückblicken auf unsere jahrelange Arbeit in unserem Verein in Würselen. Der Verein hat sich als Institution etabliert und genießt eine gewisse Akzeptanz bezüglich ihrer Kompetenzen in der Hilfe und Unterstützung geflüchteter Menschen. Durchaus eine Entlastung der städtischen Behörden und zugleich sind wir unbequem, wenn es um bleiberechtliche Vertretungen geht, die wir ebenso wie in einem Kirchenasyl individuell prüfen wollen. Wir sind unabhängig und wollen in diesem Sinne, nicht immer verwaltungskonform, auch die individuellen Schicksale und Lebensläufe im Kontext betrachten. 

In unserer Stadt Würselen leben 7415 Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit, ohne deutsche Staatsangehörigkeit. (Stand 2021)

Im Mai 2022 leben 329 Ukrainer*innen in Würselen. Ihre Aufnahme und Versorgung verliefen zu dem Zeitpunkt rechtlich und bezüglich ihrer sozialen Einbindung recht reibungslos. Viele freiwillige Helfer*innen hatten ihnen eine vorläufige Unterkunft angeboten, inzwischen wohnen viele bereits in privaten Unterkünften. 

Wesentlich problematischer gestaltet sich die Situation der Migrant*innen, 152 Geduldete, 81 mit einer Aufenthaltsgestattung, die z.T. seit 2015 in Würselen leben und immer noch um ihren Start in ein integriertes Leben in Gemeinschaft kämpfen müssen. Sie haben bis heute kein Anrecht auf einen Integrationskurs und keine Arbeitserlaubnis. Dieser Personenkreis insbesondere, aber auch andere Migrant*innen brauchen nach wie vor dringend Unterstützung.  

Viele von ihnen haben eine rechtlich und gesellschaftlich angemessene Teilhabe, also eine wirkliche Integration in unserer Gemeinschaft noch nicht erlangt. Die Aktivitäten unseres Vereins bieten daher eine Unterstützung und Beratung an, wenn diese Menschen Hilfe bei Ämtern, in Schulen, im Beruf, bei Verschuldungen, bei der Wohnungssuche etc. benötigen. Wir vermitteln an Fachleute und kooperieren mit ihnen, wenn es um ausländerrechtliche Angelegenheiten und um psychosoziale Probleme geht, die wir zielorientiert gemeinsam mit den Menschen lösen wollen, damit ein sicherer Aufenthalt ihnen hier eine Lebensperspektive ermöglicht.  

 

Unserer Angebote in den Räumen der Aachener Straße 

Unbedingt an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Tafel und besonders an die ehem. Vorsitzende der Tafel, Ursula Best, mit dessen Hilfe wir gemeinsam die Etablierung unseres neuen Standortes in der Aachener Straße erst möglich machen konnten.Unser Dank geht auch an die Stadt Würselen, die die Umbaumaßnahmen ermöglicht hat und die regelmäßige Miete unserer Räume zahlt. 

Wir konnten im letzten Jahr unsere Angebote und die damit verbundenen Öffnungszeiten in unseren Räumen in der Aachener Str. erweitern. 

   Während der Öffnungszeiten stehen jedem Computerarbeitsplätze,  

   Kopierer oder Scanner zur Verfügung.   

  •  Die Beratung findet in der Aachener Str. statt, im Papillon (Aachen) oder auf individuelle Terminabsprache. Sie umfasst sämtliche behördlichen Vorgänge, die Wohnungssuche, Vermittlungen zu juristischer, medizinischer, sozialer Hilfe.  
  •  Für Schüler*innen bieten wir einmal in der Woche Lernzeiten an. Hier erhalten   sie Unterstützung bei den Hausaufgaben oder gezielte Nachhilfe insbesondere in dem Fach Deutsch. 

Es gibt Computerarbeitsplätze, die von Schüler*innen genutzt werden können, wenn sie z.B. in ihren Sammelunterkünften oder zu Hause keinen sicheren WLAN-Anschluss haben. 

  •  An einem Abend in der Woche, mittwochs 18-20 Uhr, beraten wir rund um die Themen „Arbeit, Beruf, Schule und Ausbildung“. Ganz konkret schreiben wir zusammen mit den Personen ihre Bewerbung und ihren Lebenslauf. 
  •  Nach Absprache erteilen wir individuellen Unterricht in der deutschen Sprache. Wir helfen in Vorbereitung auf Prüfungen oder begleiten den Unterricht z.B. während der Ausbildung. 
  •  Ein weiteres Projekt „Schüler*innen lernen soziale Einrichtungen kennen“ führen wir zusammen mit dem Städtischen Gymnasium Würselen durch. Schüler*innen erhalten Einblicke in die Tätigkeitsfelder unseres Vereins, sie erfahren etwas über unsere Aufgaben und das Verständnis von Migration und Integration in ihrer Stadt. 
  •  Aktuell bieten wir zweimal pro Woche einen Einführungskurs in die deutsche Sprache an, den z.Zt. insbesondere ukrainische Frauen besuchen. 

 Unsere Aktivitäten: 

Bei den alltäglichen Problemen von Migrant*innen ist es nötig zu beraten, konkret helfend zur Seite zu stehen, aber auch mit anderen Trägern, Ämtern, der Stadt und Fachleuten zu kooperieren, um sichere Ergebnisse zu erlangen. 

  •  Wir sind erreichbar, wenn es um individuelle Hilfen für Menschen geht.  
  •  Wir begleiten zu Ärzten, Ämtern, Schulen, … 
  •  Migrant*innen brauchen dringend Wohnungen.  Bezahlbaren Wohnraum für     Migrant*innen zu finden, ist nach wie vor ein dringliches Thema in Würselen. 
  •  In Kooperation mit der Tafel unterstützen wir Menschen, die sich im Kirchenasyl befinden. Zusammen mit der Tafel haben wir einen großen Kleiderbasar durchgeführt. Auch für ihre Kunden unterstützen wir die Kinder und Eltern in sozialen Belangen, beim Lernen oder bei der beruflichen Beratung. 
  •  In Zusammenarbeit mit der Stadt und mit anderen Initiativen, sowie in der Vernetzung mit erfahrenen Fachleuten aus Psychiatrie, Medizin, dem Rechts- und Sozialwesen versuchen wir unsere Arbeit effektiv und ergebnisorientiert für die Hilfesuchenden zu gestalten.  
  •  Wir sind auch überregional vernetzt und machen uns kundig, wenn es um aktuelle Neuigkeiten zum Asyl- und Ausländerrecht geht.  
  •  Wir helfen und setzen uns ein, wenn es um einen sicheren Aufenthaltstitel geht.   
  •  Wir schützen vor und verhindern Abschiebungen.  
  •  Auf unserer neu gestalteten Homepage finden Interessenten und Migrant*innen Informationen zu unserer Arbeit.        

 

Politische Aktivitäten und Perspektiven 

Wir leben derzeit und sicherlich auch in Zukunft in einer Welt großer Fluchtbewegungen. Nie zuvor gab es so viele Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und Schutz in anderen Ländern suchen.  

Wir leben, und darauf können wir stolz sein, in einer freien Demokratie, in der diesen Menschen das Recht auf eine menschenwürdige Behandlung, ein faires Asylverfahren und eine angemessene Unterbringung und Gesundheitsversorgung zustehen sollte. 

Wir stehen diesen Schutz suchenden Menschen zur Seite, wenn sie für das Einhalten und Umsetzen ihrer/ unserer Menschen-Rechte Hilfe benötigen. 

Die Erfahrung hat immer wieder gezeigt, dass die Kommunikation mit den Behörden, auch wegen sprachlicher Hürden, für die Migrant*innen schwer ist. Häufig können sie nicht allein für ihre Rechte einstehen und werden abgewiesen. In diesen Fällen ist es nötig, beharrlich und ausdauernd ihnen zur Seite zu stehen und ihnen respektvoll Vertrauen zu schenken. Wir betrachten es als unserer Aufgabe, sie als Personen mit all ihren Fähigkeiten zu schützen und zu stärken.  

Diesen Herausforderungen stellen wir uns gemeinsam mit vielen Initiativen und Organisationen des Landes, die für die Rechte geflüchteter Menschen einstehen. Unser persönliches Engagement und unser politischer Willen sind getragen von der Überzeugung eines friedvollen Zusammenlebens in einem demokratischen Staat. 

Wir erleben gemeinsam mit den Menschen deren alltäglichen Nöte und Sorgen um eine sichere, selbstbestimmte und selbstverantwortete Zukunft. Für die Lösungen ihrer Belange stellen wir weiterhin klare Forderungen an die Politik und die Behörden. 

(z.B. hierzu auf unserer Homepage: Flüchtlingspolitische Forderungen zur Landtagswahl NRW)  

Wir stehen mit einigen dieser Forderungen konkret mit der Stadt Würselen im Austausch. 

  •  Die Stadt Würselen muss mehr Sozialwohnungen zur Verfügung stellen. 

Konzepte der Wohnraumvermittlung und Konzepte sozial betreuten Wohnens vulnerabler Menschen sind erforderlich. 

Eine zu lange Verweildauer in Sammelunterkünften führt zu erheblichen psychosozialen Problemen. (siehe. dazu Beitrag auf unserer Homepage) In Würselen leben immer noch viele Menschen seit Jahren in Sammelunterkünften, die eine besondere Unterstützung brauchen.   

  •  In Würselen leben 152 geflüchtete Menschen seit Jahren mit dem ausländerrechtlichen Status der Duldung.  Wir fordern die rechtlichen Möglichkeiten ausreichend zu überprüfen und auszuschöpfen, um ein Bleiberecht zu erwirken. 
  •  Eine zuverlässige und professionelle Versorgungs- und Unterstützungsstruktur sollte kommunal eingerichtet werden.  

 Die 2015 und in folgenden Jahren zu uns geflüchteten Menschen, die sich immer noch „in Duldung“ befinden, benötigen dringend Unterstützung.  Wir erleben, wie sie oftmals in der ausländerrechtlichen „Wartehaltung“ gelähmt, frustriert und ohne Perspektive lebensuntüchtiger geworden sind. Manche von ihnen sind psychisch erkrankt, andere haben in ihrer Verzweiflung zu Drogen gegriffen oder sind kriminell geworden.  

Viele ihrer Probleme sind noch lange nicht gelöst und erfordern dringend professionelle Hilfe.  

Auf Landes- und Bundesebene setzen wir uns für eine humanitäre Flüchtlingspolitik ein, die Maßnahmen und eine rechtliche Grundlage schafft, ein Bleiberecht zu sichern.  

Es kann nicht sein, dass geflüchtete Menschen über Jahre in Angst und Unsicherheit unter uns leben müssen und wir es zulassen, dass ihre Motivation und ihre Kräfte schwinden, ohne dass sie eine Chance gehabt hätten, sich in unsere Gemeinschaft einzubringen und sich ein freies Leben aufzubauen. 

Wir bedanken uns bei allen Mitgliedern und den vielen Menschen für ihre tatkräftige und wertvolle Hilfe. Wir danken Ihnen/ Euch auch für die kleinen und großzügigen Spenden, ohne die unsere Arbeit nicht möglich wäre. 

 

Christel Schwenger 

(Vorstandsvorsitzende) 

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