Ein roter, nicht komplett geschlossener Kreis, in der Mitte die Worte Förderkreis Asyl Würselen e.V.

Geflüchtete Menschen aus anderen Regionen, die seit Jahren unter uns leben und noch immer nicht erreichen konnten, was Ukrainern nun unmittelbar bei Ankunft gewährt wird, fühlen sich abgewertet.
Eine Beobachung des Arbeitskreises Asyl in Würselen zu den Folgen des Ukrainekriegs hier in Deutschland.

In vielen Ländern unserer Erde herrschen Krieg, Unterdrückung und Diskriminierung, leiden Menschen unter Waffengewalt, Repressalien und Hunger und suchen Rettung für ihr eigenes und das Leben ihrer Liebsten in der Flucht. Einige führt der Weg in unsere Städte und Gemeinden. Sie kommen zu uns voller Hoffnung und mit der Motivation, sich mit ihrem Können einzusetzen und einen Platz in unserer Mitte zu finden.

Vor einigen Wochen geschah das Undenkbare, nach über 75 Jahren Frieden in Europa brach, nur eine Tagesreise von uns entfernt, erneut ein Angriffskrieg auf europäischem Boden aus. Menschen werden in die Flucht getrieben, sie kommen, wie auch schon viele vor ihnen aus anderen Kriegsgebieten, wie z.B.  Syrien oder Afghanistan, zu uns, um sich zu retten.

Wohlwollend könnte man feststellen, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben und nun besser handeln als wir das in den letzten Jahren getan haben. Wir empfangen die Menschen unbürokratischer und gewähren ihnen schnell und unkompliziert den Zugang in unsere Mitte. Damit kommen zu den traumatischen Erfahrungen in der Heimat und auf der Flucht nicht noch zusätzliche Belastungen.

Flüchtlinge erster und zweiter Klasse

Man könnte annehmen, dass wir dazu gelernt haben, aber Misstrauen ist angebracht. Diese neuen Regeln, das Entgegenkommen, gelten nicht für alle, die sich zu uns flüchten, sondern nur für ukrainische Staatsbürger.

Nur wenige Wochen vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine gab es keine kostenlosen Züge für die vielen, in der Kälte an der belarussisch-polnischen Grenze im Wald lagernden Menschen. Dort wurde gehungert, gefroren und gestorben und wir schauten zu. Es drängt sich die Frage auf, warum das so ist, was unterscheidet diese Rettungsuchenden von den anderen?

Wir erleben gerade die Kategorisierung in Flüchtlinge erster und zweiter Klasse, und das erfüllt mit Sorge, denn es spaltet statt zu vereinen.

Menschen, die seit Jahren unter uns leben und noch immer nicht erreichen konnten, was Ukrainern nun unmittelbar bei Ankunft gewährt wird, fühlen sich abgewertet. Sie suchen nach Erklärungen und finden diese in Vermutungen, sie gehen davon aus, dass es an ihrer Hautfarbe liegt oder an ihrer Religion.

Haben sie damit Recht?
Wollen wir eine solche Gesellschaft? Können wir institutionalisierten Rassismus dulden, können wir in den Spiegel schauen und angesichts unserer Vergangenheit nicht erkennen, auf was wir hier zusteuern?

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ (Artikel 1 GG)

Sigrid Kirchberg

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